
Nachdem ich im Flughafen Schönefeld eingecheckt hatte und das Sicherheitspersonal sicher gestellt hatte, dass mein Rucksack und mein Laptop keine bösen Überraschungen bereithielten, durfte ich auf mein Flugzeug warten – das 45 Minuten zu spät ankam.
Das Gerücht übrigens, das Iren immer zu spät sind, stimmt nur zum Teil, außer man möchte mit dem Zug fahren. Dieser komme, wie ich mir sagen lassen habe, wohl IMMER zu spät. Da das aber eher die Regel als die Ausnahme ist, sind die meisten Fahrgäste auch konsequent eine halbe Stunde später erst am Bahngleiß. Damit ist die Irish Rail auf ihre Art und Weise zuverlässiger als die Deutsche Bahn…
Da das irische Bahnnetz aber leider nicht so gut ausgebaut ist und Züge generell nur wenige Male am Tag fahren, heißt das öffentliche Verkehrsmittel Nr. 1 in Irland Bus. V.a. zwei Dinge unterscheiden den regulären irischen Bus von einem deutschen:
- Es werden keine Ortschaften durchgegeben. Entweder du kennst deine Station bereits oder du schaust verzweifelt auf den vorher heruntergeladenen Busplan und hoffst inständig, dass die Zeiten tatsächlich übereinstimmen.
- Es gibt keinen Knopf, mit dem man den Bus zum Anhalten bringt. Wie ich (leider) erst später erfuhr, hat man als Passagier drei Möglichkeiten, den Bus zu stoppen. Möglichkeit Nr. 1: Man spricht vor der Fahrt mit dem Busfahrer und fragt ihn, ob er an der gewünschten Station anhalten könne. Möglichkeit Nr. 2: Man springt kurz vor der gewünschte Station auf und läuft nach vorn, um dem Busfahrer seine Intention zum Aussteigen zu zeigen. Möglichkeit Nr. 3: Man hofft, dass jemand an der gewünschten Station einsteigen möchte, sodass der Bus eh anhalten muss. Zum Glück trat Möglichkeit Nr. 3 ein, da die Stadt Gorey groß genug ist, dass regelmäßig Menschen in einen der Busse einsteigen möchten.
Wichtig übrigens: In Irland haben die meisten Häuser in der gleichen Gegend ein und die selbe Adresse. Damit aber sowohl Briefträger als auch Freunde und Verwandte nicht fälschlicherweise drei Straßen weiter an dem falschen Haus klingeln, wird für jedes Gebäude ein individueller Postcode, der sog. „Eircode“, vergeben. Dank diesem fand ich das B&B, in dem ich den Großteil der nächsten zwei Monate verbringen würde, ohne Probleme. Die Besitzerin ist eine nette ältere Dame, die mich in ein kleines aber gemütliches Zimmer führte und mir danach Tee und Kekse anbot.

Falls jemandem das Konzept eines B&B bzw. Bed & Breakfast nicht geläufig ist: Wie der Name schon sagt, bekommt man sowohl einen Platz zum Schlafen als auch Frühstück. In den meisten Fällen darf man auch die Küche mitbenutzen, um so abends selbst Essen kochen zu können.
Übrigens: Das Nationalgetränk in Irland heißt nicht Guiness sondern Tee, v.a. Schwarzer Tee. Bezogen auf den Teekonsum pro Person ist Irland sogar weltweiter auf Platz Nr. 2 und wird nur durch den Spitzenreiter Türkei geschlagen. Man sollte sich vor dem Trinken darauf einstellen, dass der Tee sehr viel stärker ist, als man es als Deutscher gewohnt ist. Serviert wird mit sehr viel Milch und Zucker.
Nach meiner Tasse Tee fiel langsam die Anspannung der Reise ab und eine Stunde später lag ich im Bett und schlief sehr tief und fest.