Mein Besuch in Ferns wäre wahrscheinlich nie möglich geworden, hätte meine Mitpraktikantin Lauren ihrer Familie nicht von meiner Reise nach Irland erzählt. Und selbst dann wäre sicherlich nichts passiert, wären sich Oma und Tante nicht einig gewesen, dass man mir die Gegend um Gorey herum zeigen müsse. So kam es, dass ich an meinem freien Tag zusammen mit Lauren und ihrer Familie – Tante, Onkel, eine Cousine und zwei Cousins – im Campingwagen mit nach Ferns fuhr.
Vorher eine kleine Geschichtsstunde zur Stadt: Ferns war ursprünglich Hauptstadt des Königreich Leinster und wäre heute eine der größten Städte Irlands, wäre sie nicht wie viele andere Mittelalterstädte irgendwann niedergebrannt. Neben all dem ist Ferns jedoch heutzutage v.a. wegen Diarmuid Mac Murchadha bekannt, ehemaliger König von Leinster und Wegbereiter der anglo-normannischen Invasion (sprich der Übernahme von Irland durch Frankreich). Ferns war damals Hauptstadt von Leinster und Mac Murchadha wurde nach seinem Tod neben der örtlichen Kapelle begraben.

Dies alles wurde uns (natürlich noch weitaus ausführlicher) während einer Führung der Burgruinen von Ferns erzählt. Die Führung war eigentlich nur für 45 Minuten angesetzt, dauerte aber letztendlich doppelt so lange, da unser Tourguide zwischendurch immer wieder ausführlich über die lokalen Sportmanschaften sprach oder versuchte, den ältesten Sohn der Familie zur Militärausbildung zu überreden.
Die Burgruine und ihre Geschichte waren trotzdem interessant und vom einzig heil gebliebenen Turm hatten wir eine fantastische Aussicht auf die Stadt und die Landschaft drumherum.

Zurück im Wohnwagen stärkten wir uns mit Tee, Würstchen, Sandwiches und Erdbeeren (das County Wexford, zu dem auch Gorey und Ferns gehören, ist in Irland vor allem für seine Erdbeeren bekannt, da dieser Teil Irlands im Durchschnitt am meisten Sonne abbekommt), bevor wir uns wieder auf den Weg machten.
Nächste Station war die St. Edan Kathedrale, die, wie der Name schon sagt, dem Heiligen Edan bzw. Aidan, gewidmet ist. Besagter Heiliger war u.a. der erste Bischof der Stadt und soll einige Wunder gewirkt haben. Zu einem werde ich später nochmal kommen.

Viel interessanter als die Kathedrale war der Friedhof nebenan. Dieser sah aus, als hätte man ihn aus einer Filmszene herausgeschnitten, um ihn dann an den Rand der Stadt zu platzieren. Aus einer von einer Steinmauer umgebenen, grasbewachsenen Fläche ragten windschief alte Grabsteine und einige Nadelbäume heraus. Fehlte nur noch Mondschein und eine Nebelmaschine und das Bild wäre perfekt gewesen. Wir besuchten den Grabstein, unter dem Diarmuid Mac Murchadha angeblich begraben war. Der Stein selbst war einigen Vandalen zum Opfer gefallen, die anscheinend nicht mit den vergangenenen Entscheidungen des Mannes, der darunter lag, einverstanden gewesen waren.

Letzte Station des Ausflugs war eine Wasserquelle, die der Legende zufolge von St. Edan höchstpersönlich heraufbeschworen worden war. Die Quelle selbst sahen wir jedoch gar nicht, da ein kleines Häuschen um sie herum gebaut worden war. Das und der Fakt, dass die Quelle direkt neben einer dicht befahrenen Straße stand, trug nicht gerade zu einem Gefühl von Heiligkeit und Wunder bei.

Zum Schluss möchte ich sagen, dass Ferns ein kleines aber hübsches Städtchen ist und das außerdem eine interessante Geschichte hat.
